Heimspiel in der Gruppenphase der VELUX EHF Chamions League 2015-2016 gegen MVM Veszprem

Großer Jubel in der FLENS-ARENA! Die SG Flensburg-Handewitt entschied das 92. Landesderby fĂŒr sich. Mit dem 30:29 (13:14) ĂŒber den THW Kiel bauten die Gastgeber die TabellenfĂŒhrung in der DKB Handball-Bundesliga aus. „Ich finde, wir haben verdient gewonnen“, bilanzierte SG Trainer Ljubomir Vranjes. „Wir mĂŒssen die ganze Saison und das Hinspiel sehen – dann gleichen sich die Dinge aus.“ Zur Erinnerung: Im November hatte die SG mit 23:24 in Kiel verloren. „Ich bin stolz auf meine Mannschaft, die in einer hochklassigen Partie mindestens einen Punkt verdient gehabt hĂ€tte“, sagte THW-Coach Alfred Gislason. „Aber Ähnliches kann Flensburg ĂŒber das Hinspiel sagen.“

Draußen lag der Schnee, drinnen herrschte Derby-Fieber. Schon eine Stunde vor Anpfiff war die NordtribĂŒne rappelvoll. Der erste emotionale Höhepunkt: Die SG ehrte Kentin MahĂ© fĂŒr seinen WM-Titel. Die Starformation im RĂŒckraum bildeten Holger Glandorf, Thomas Mogensen und Rasmus Lauge. Letzter brach nach nur 29 Sekunden durch die THW-Defensive. Was fĂŒr ein Auftakt! Sofort weht ein akustischer Orkan durch die FLENS-ARENA. „Dieses Derby war wieder ein fantastisches Erlebnis“, meinte SG GeschĂ€ftsfĂŒhrer Dierk SchmĂ€schke.

Im Vorfeld musste die SG eine weitere Hiobsbotschaft verdauen. KapitĂ€n und Abwehrchef Tobias Karlsson hatte sich beim Abschluss-Training verletzt: ein Sehneneinriss im Oberschenkel. Sechs bis acht Wochen wird er ausfallen. Jacob Heinl fĂŒhrte deshalb die Seitenwahl aus, lief als erster SG Akteur in die „Hölle Nord“ ein und stand zusammen mit Henrik Toft Hansen im Mittelblock der 6:0-Abwehr. „Es hat mich beeindruckt, wie die beiden aufopferungsvoll gekĂ€mpft haben“, berichtete Ljubomir Vranjes. „Wir hatten nur eine halbe Übungseinheit, um alles einzustudieren.“

Die SG erwischte einen Traumstart. Als die Kieler eine Unterzahl mit einem zusĂ€tzlichen Feldspieler ausglichen und den Ball verloren, landete dieser blitzschnell bei Lasse Svan, der nur noch locker einwerfen musste. Gleichzeitig entfachte der Rechtsaußen eine Party. 5:1 hieß es, und es waren noch keine fĂŒnf Minuten gespielt. Der THW antwortete allerdings im Stile einer Spitzenmannschaft und kĂ€mpfte sich schnell zurĂŒck. Auch die SG leistete sich einen Fehler, wĂ€hrend das GehĂ€use verwaist war. Niklas Landin bestrafte dies mit einem humorlosen Distanzwurf. 5:5! Überhaupt war der THW-Keeper hĂ€ufiger ein Spielverderber. Im Angriff lief fiel ĂŒber Domagoj Duvnjak. Die GĂ€ste gingen einige Male mit einem Treffer in Front. Der Derby-Fight brannte lichterloh. Dabei mischten nun auch Jim Gottfridsson, der sich mit Thomas Mogensen und Rasmus Lauge die Spielanteile teilte, und Kentin MahĂ©, der fĂŒr Anders Eggert auf der linken Außenbahn wirbelte, mit. Jim Gottfridsson traf mit energischen Willen zum 10:9.

Die SG gewann kurzfristig wieder Oberwasser – nach vorne gepeitscht vom Publikum und stehenden Ovationen. Holger Glandorf schoss durch die Kieler Deckung und erhöhte auf 12:10. Er befeuerte ein Freudenfest. Die beiden Keeper zeigten nun Glanztaten, Mattias Andersson nervte mehrmals Domagoj Duvnjak mit tollkĂŒhnen Paraden. Es war schon ein Husarenstreich, als Rasmus Lauge bei drohendem Zeitspiel mit Zielwasser abzog. 13:12! Dennoch war es nichts mit der PausenfĂŒhrung. Nikola Bilyk fasste sich praktisch mit der Halbzeit-Sirene ein Herz.

Zwar erhöhte Niclas Ekberg per Siebenmeter gleich nach Wiederbeginn auf 13:15, das lĂ€hmte den Elan der SG aber nicht. Kentin MahĂ© schaffte mit einem Doppelschlag den 16:16-Ausgleich, agierte danach aber zu forsch gegen Christian Zeitz und kassierte eine Zeitstrafe. Die SG ĂŒberstand die Unterzahl gut, rannte aber dennoch stetig einem knappen RĂŒckstand hinterher. Obwohl Mattias Andersson gut hielt, verpuffte nach 38 Minuten die vorerst einzige Chance, selbst wieder vorzulegen. Die Sorgen auf den RĂ€ngen wuchsen. Patrick Wiencek traf zum 19:21. Es drohte gar ein Drei-Tore-RĂŒckstand, doch Mattias Andersson erwies sich als Fels in der Brandung. „Beide Teams waren auf Augenhöhe“, erkannte THW-Manager Thorsten Storm. „Aber ich hĂ€tte gern gesehen, was passiert wĂ€re, wenn wir mal mit drei Treffern vorne gewesen wĂ€ren.“

Die SG berappelte sich wieder. Kentin MahĂ© hatte Nerven von der Siebenmeter-Linie, Lasse Svan versenkte einen Gegenstoß. 23:23 – in der „Hölle Nord“ hielt es keinen mehr auf den Sitzen. Die Spannung war nicht mehr zu ĂŒberbieten. Eine turbulente Szene nach 52 Minuten: Holger Glandorf zog ab, Rene Toft Hansen rasselte mit ihm zusammen. Die Schiedsrichter zuckten fĂŒr den THW-Spieler die rote Karte. Eine Entscheidung, die wohl zu hart war. Der THW musste seine Abwehr umstellen und agierte – um die Unterzahl zu ĂŒberbrĂŒcken – kurzfristig ohne Schlussmann. Auf der anderen Seite parierte Mattias Andersson und bediente dadurch zufĂ€llig Kentin MahĂ©, der aus großer Distanz das 27:26 markierte.

Beide Teams hatten Chancen fĂŒr den Sieg. Domagoj Duvnjak tĂ€nzelte mit letzter Energie zum 29:29. Letztendlich hatte die SG mehr GlĂŒck. Holger Glandorf traf zwar nur den Innenpfosten, doch der Abpraller landete direkt vor Kentin MahĂ©, der nur noch einzuschieben brauchte. „Wahnsinn“, schnalzte Ljubomir Vranjes mit der Zunge. „Kentin kommt als Weltmeister, zeigt eine Weltklasse-Leistung in seinem Verein und erzielt das entscheidende Tor.“

Der THW hatte zwar noch eine gute Minute den Ball, konnte sich aber nicht mehr durchsetzen. Nikola Bilyk blieb mit dem letzten Versuch hĂ€ngen. „Leider sind wir einige Mal zu oft an Mattias Andersson oder am Pfosten gescheitert“, trauerte Alfred Gislason dem möglichen Coup nach. „Auch beim RĂŒckzugsverhalten muss ich Abstriche machen, bin insgesamt mit der Leistung meiner Mannschaft aber zufrieden.“ Derweil feierten SG Spieler und Fans gemeinsam den Derby-Sieg. „Die Nummer eins im Land sind wir“, schallte durch das Rund. „Dieses Spiel war gewiss wichtig“, sagte Dierk SchmĂ€schke. „Aber wir haben allein in der DKB Handball-Bundesliga noch 15 Spiele vor uns.“

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