Keine Frage, der Kreuzfahrtboom ist an Flensburg nahezu unbemerkt vorbeigezogen. Längst haben sich die Reedereien in Häfen wie Kiel, Rostock, Travemünde oder auch Hamburg verliebt, während sich der Flensburger Hafen über kümmerliche 2-3 Anläufe pro Jahr freuen kann.

Dabei sind die Voraussetzungen garnicht schlecht. Während die Fahrt durch die Förde der Handelsschiffahrt durchaus ein Dorn im Auge sein kann, ist sie gerade für die erlebnishungrigen Touristen eine Sehenswürdigkeit. Auch die Flensburger Altstadt hat so einiges zu bieten, das Umland lädt mit weiteren attraktiven Ausflugszielen ein.

Während in der Anfangszeit die Anläufe der schwimmenden Kleinstädte noch als Attraktion wahrgenommen wurden, findet heute nichteinmal mehr eine offizielle Begrüßung durch die Stadt Flensburg statt. „Zu teuer“ ist die vielmals vorgebrachte Erklärung – und der Liegeplatz sei ohnehin so unattraktiv dass es sich nicht lohne, damit als Hafenstadt um Kreuzfahrtgäste zu werben.

Das man damit durchaus falsch liegt zeigte nicht zuletzt der heutige Anlauf der MS „Braemar„. Die fast ausschließlich britischen Passagiere zeigten sich erneut begeistert über Flensburg und das angebotene Ausflugsprogramm. Neben geführten Touren brachte ein regelmäßig verkehrender Bus-Shuttle die Passagiere sicher zur Stadt und zurück. Niemand störte sich am wiederauflebenden Wirtschaftshafen, auf dessen Kaiflächen Unmengen an Split lagern. Auch der regelmäßige LKW-Verkehr konnte dem Vergnügen der Passagiere nicht im Wege stehen.

Vielfach keimte die Frage auf, warum Flensburg nichts aus seinem zweifellos vorhandenen Potential mache? Für einen Wettbewerb mit den großen Häfen ist es zu spät – auch hätte man hier schwer mithalten können. Für Schiffe mittlerer Größe – ein Anlauf ist mit maximal 7,50 Meter Tiefgang möglich – wäre Flensburg durchaus eine Option, welche die Reisepläne der Reedereien kreativ bereichern könnte.

Im Zuge solcher Planungen wäre der Umbau des Freihafen-Silos ein wichtiger Faktor. Neben maritimen Gewerbe und Büroflächen könnte ein Kreuzfahrtterminal eingerichtet werden – stilecht in einem alten Kaispeicher. Der derzeitigen Nachfrage nach Büroflächen nach dürfte eine Vermarktung dieses Projekts ohnehin kein Selbstläufer werden. Die Richtlinien gemäß ISPS wären aufgrund der Lage des Silos ohne große Hürden einzuhalten. Auch könnte dann über die Einrichtung eines Landanschlusses nachgedacht werden, um die Schadstoffemissionen der Schiffe während der Hafenliegezeit zu minimieren.

Die große Frage aber lautet nach wie vor – ist der Hafen als Wirtschafts- oder Tourismushafen politisch überhaupt noch gewollt?

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16 Kommentare auf "Flensburg als Hafen für Kreuzfahrer – Teile des Freihafen-Silos als Kreuzfahrtterminal?"

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Ruediger Andersen
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Flensburg ist leider nicht Lübeck, hier werden alte Häuser abgerissen und dann durch moderne Fassaden ersetzt , wie gegenüber der Holmnixe, das sieht nicht aus und füg sich nicht ein, genau wie Phänomenta und Nordertor das lockt Touristen nicht an, das schreckt sie ab

Arne Rüstemeier
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24% mehr Ankünfte im Vergleich zum Vorjahr. 9% mehr Übernachtungen. Irgendwas läuft richtig.

https://www.statistik-nord.de/fileadmin/Dokumente/Statistische_Berichte/industrie__handel_und_dienstl/G_IV_1_m_S/G_IV_1-m1704_SH.xlsx

Ruediger Andersen
Gast
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Arne Rüstemeier mag ja sein aber wer unsere Stadt gesehen hat kommt nicht wieder, der Rat hätte Schröders mal eine andere Linie vorschlagen sollen und zwar historisierendes bauen !

Arne Rüstemeier
Gast
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„Wer unsere Stadt gesehen hat, kommt nicht wieder“ – haben Sie dafür eine empirische Grundlage? Steigende Besucherzahlen lassen eigentlich Gegenteiliges vermuten.

Arne Rüstemeier
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Seit 2009 sind die Gästezahlen übrigens stetig von 94.000 auf 162.000 pro Jahr angestiegen, die Zahl der Übernachtungen von 182.000 auf 286.000.

Sönke Rahn
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Träumereien vom Verkauf von heißer Luft und Bespielung von Irrelvanz…. Der inndeutsche Tourismus nimm in Gänze zu, Panik vor Reisen in radinalistisch abgedriftete Länder usw. Die Süddeuschen fahren aber primär da hin wo man nicht im Chic von Karl-Marx-Stadt baut sondern nach Mecklemburg-Vorpommern wo man liebevoll restaueriert, alleinstelungsmerkmal Pflegt und nicht abreißt und einfügend baut: Rasender Roland => Flensburg bloß bliiger Anton, kurzfristige Gewinnmaximierung, Peenemünde und Prora, also Nazivergangeheit wird zu gestanden; Flensburg-Mürwik, bloss billiger Anton, Volkspark zweckfremd überbauen usw. Haupsache kurz mal Kohle rausholen und dann Erfolgsbilanz ausweisen. Langfristiger Schaden extrem …. In den 80er Jahren war mit den… Weiterlesen >>
René Haar
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Dazu müsste nach 20? Jahren erstmal der Hafen ausgebaggert werden….. und die Grossen kommen um Holnis eh nicht rum 🙈

Christoph Olsen
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Die Frage ist natürlich auch, ob man die Dreckschleudern überhaupt regelmäßig in der Stadt haben will. Wenn überhaupt dann wohl nur mit Landstromversorgung.

Heiko Heeskens
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Steht ja so auch geschrieben

Christoph Olsen
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Ja, dass darüber nachgedacht werden könnte.
Wobei noch interessant wäre, wie viele Schiffe das überhaupt nutzen können. Darüber hinaus, wird natürlich auch genug Dreck bei der Fahrt produziert.

René Haar
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Christoph Olsen nur wenige und sowieso nur kleinere!

Heiko Heeskens
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Alles bis 7,5 Meter Tiefgang wird passen, Länge und Breite sind da eher untergeordnet

René Haar
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Heiko Heeskens 5,5m!

Heiko Heeskens
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Ging nun von neuen Harniskai aus wo die Braemar lag

René Haar
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Heiko Heeskens
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Danke!

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