Die Norderstraße in Flensburg – ein multikulturell geprägter Straßenzug, der neben Kultur, Einzelhandel, Gastronomie und viel Leerstand vor allem eines bietet:

Schuhe

Schuhe aller Art – aber alle mit Schnürsenkel. Denn das ist die Voraussetzung, damit die Schuhe an den quer über die Straße verlaufenen Stahlseilen hängen bleiben. Wikipedia benennt diesen Trend Shoefti – Zusammengesetzt aus Shoes und Graffiti. Die Schuhe, deren Geschichte ca. 5 Jahre zurückreicht, sind mittlerweile ein fester Bestandteil Flensburgs geworden. In Stadtführungen erwähnt und weit über Flensburg hinaus bekannt, haben sich die Schuhe als Kulturobjekt etabliert.

Doch woher kommt dieser Trend? Gerüchten nach soll alles mit einem Skaterladen begonnen haben. Die Kunden – hoch erfreut über ihr neues Schuhwerk – warfen ihre ausgedienten Treter über die Leinen, welche eigentlich zur Anbringung der Weihnachtsdekoration gedacht waren. Von Gerüchten, dass die Schuhe den Weg zur nächsten Prostituierten weisen oder einen Protest darstellen, finden sich allerdings auch viele andere Theorien über die Entstehung dieses Kults.

Beginnend im südlichen Teil der Norderstraße haben mittlerweile schon weit über 10 Leinen Besucher bekommen. Zum Norden hin dünnt sich die Zahl der Schuhe aus – aber es dürfte auch hier nur eine Frage der Zeit sein, bis auch hier eine Masse von Schuhen über der Straße baumeln. An manchen Tagen sieht man viele Urlauber, die ihre Kameras in die Luft halten – das Nordertor scheint in seiner Attraktivität weit hintenan zu stehen.

Natürlich wäre Deutschland nicht Deutschland, wenn die Schuhe nicht auch eine negative Seite haetten. So berichtet die SHZ von einem Geschäftsmann, der Haftungsfrage geklärt haben will, wenn jemand durch herabstürzende Schuhe oder Leinen zu Schaden kommen sollte. Die SHZ schrieb dazu:

Eine Recherche bei der Stadt habe ergeben: Es haftet der jeweilige Hauseigentümer. „Denn die Seile“, so Nissen, „hängen über vier Meter hoch, sind somit nicht Sache der Stadt.“ Er habe sodann mit dem Technischen Betriebszentrum (TBZ) gesprochen und dort vernommen: „Wir nehmen die Schuhe ab.“ Was er persönlich bedaure, schließlich sei das Kunstwerk ein probater PR-Magnet. Es werde sich aber wohl, so Nissen, nur um ein einziges Seil handeln, das besagtem Geschäftsmann ein Dorn im Auge ist.

Der Artikel ist vom 04.05.2011 – und die Schuhe sind nicht merklich weniger geworden. Und das ist auch gut so, schließlich sind die Schuhe eine sympatische Werbung für unsere Fördestadt und lenken vielleicht ein wenig von anderen Schandflecken ab.

 

 

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